Variablenextraktion

Strukturierte Felder festlegen, die der Agent im Gespräch erfasst und nach dem Anruf speichert.

Unter Anweisungen → Variablenextraktion legst du strukturierte Felder fest, die der Agent von Anrufern erfassen soll. Sie werden mit jedem Anruf gespeichert und stehen danach in der Nachbereitung zur Verfügung — in E-Mails, Webhooks und Exporten.

VideoanleitungVariablenextraktion
Die Seite Variablenextraktion mit Aktivierungsschalter und der Variablenliste
Die Seite Variablenextraktion mit Aktivierungsschalter und der Variablenliste

Es ist eine der unterschätztesten Funktionen der Plattform. Wer sie ernst nimmt, bekommt nicht nur bessere Protokolle, sondern spürbar bessere Gespräche.

Was eine konfigurierte Variable bewirkt

Eine Variable erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig:

  1. Gesprächsgedächtnis. Sobald der Anrufer den Wert nennt, legt der Agent ihn ab — und fragt nie ein zweites Mal danach.
  2. Saubere Aufnahme. Über die Beschreibung gibst du dem Agenten vor, in welcher Struktur er den Wert aufnehmen soll. Ein Kfz-Kennzeichen, eine Aktenzeichen-Nummer oder eine E-Mail-Adresse landet dadurch im richtigen Format statt als phonetisches Gestammel.
  3. Strukturiertes Feld. Nach dem Anruf steht der Wert als eigenes Feld bereit und ist maschinell weiterverwendbar — in E-Mails, Webhooks, Exporten und Filtern.

Die ersten beiden übersehen die meisten. Je länger ein Anruf dauert, desto schwerer fällt es einem schnellen Sprachmodell, alles im Blick zu behalten — und Voice-Agenten brauchen schnelle Modelle. Konfigurierte Variablen sind der Anker dagegen. Und ohne Formatvorgabe rät der Agent, wie „H wie Heinrich, D wie Dora, P wie Paula, 3051" zu schreiben ist.

Wenn der Agent Dinge vergisst oder doppelt fragt

Dann liegt es fast immer hier. Zögere nicht, viele Variablen anzulegen — das ist der direkteste Hebel gegen einen Agenten, der nachfragt, was schon gesagt wurde.

Drei Stufen von Gedächtnis

Nicht alles, was im Gespräch fällt, ist gleich viel wert:

StufeWas es istWo es landet
ErfasstDer Anrufer hat es gesagt, es ist geprüft, und es gibt ein passendes konfiguriertes FeldIn der Datenbank, im Export, im Webhook
NotiertGesagt und geprüft, aber es gibt kein Feld dafürNur für die Dauer des Anrufs
BeobachtetVermutet, oder die Tonqualität war zu schlecht für SicherheitNur für die Dauer des Anrufs

Alle drei stehen dem Agenten im Gespräch zur Verfügung. Nur die erste Stufe wird gespeichert. Wenn du einen Wert später brauchst, muss er ein Feld haben.

Wann du eine Variable anlegen solltest

Immer dann, wenn der Agent etwas während des Gesprächs zuverlässig erinnern soll, wenn du es nachgelagert als strukturiertes Feld brauchst (Kundenname in einer CRM-Zeile, Termin in einer Bestätigungsmail) — oder beides. Du musst nicht jedes Detail auflisten. Das Konfigurieren macht aus „wird wahrscheinlich erinnert" ein „wird zuverlässig erfasst und exportiert".

Aktivieren

Der Schalter Variablenextraktion aktivieren steuert die gesamte Funktion. Ist er aus, ignoriert der Agent die Liste darunter komplett. Ist er an, erfasst er die gelisteten Werte aktiv und behält sie über den gesamten Anruf im Blick.

Die Felder je Variable

FeldBedeutung
VariablennameDer Schlüssel, unter dem der Wert gespeichert wird — z. B. Kundenname, Versicherungsnummer, Termindatum
BeschreibungWas der Wert bedeutet und wann er erfasst werden soll
PflichtfeldOb der Agent den Wert erfragen muss, bevor er auflegen darf
Zulässige WerteOptionale Liste fester Antwortmöglichkeiten

Der Name steuert das Verhalten

Das ist die wichtigste Sache auf dieser Seite und zugleich die unsichtbarste: Der Variablenname ist keine reine Beschriftung. ScaleTalk erkennt am Namen, um welche Art von Feld es sich handelt, und schaltet passende Prüfungen und Korrekturen dazu.

Wenn das Feld enthält …Nenne es …Und du bekommst
Die Rückrufnummer des AnrufersRückrufnummer, callback_numberAutomatische Übernahme der Anrufernummer, wenn der Anrufer nur „Ja" sagt
Die Nummer einer anderen StelleNotfallnummer, Arzt_TelefonnummerKeine automatische Übernahme — die nähere Bestimmung verhindert sie
Eine E-Mail-AdresseIrgendetwas mit MailRekonstruktion aus dem Buchstabieren und wörtliches Zurücklesen
Einen PersonennamenIrgendetwas mit NameSchutz gegen Anreden und gegen falsch geratene Schreibweisen
Ein GeburtsdatumGeburtsdatum, birth_datePrüfung auf unmögliche und auf nie genannte Daten
Einen WunschterminWunschterminnicht …datumNormale Datumsbehandlung ohne Identitätsprüfung
Eine Vertrags- oder KundennummerVertragsnr, KundennummerZwang zu echtem Zahleninhalt und Ziffernabgleich
Ein Zeitfenster für ErreichbarkeitErreichbarkeitZahlenabgleich, aber „vormittags" bleibt ein gültiger Wert
Einen Freitext zum AnliegenAnliegenVolle Freitextprüfung inklusive deutscher Wortzusammensetzungen

Ein Beispiel, wie stark der Name wirkt

Nennst du ein Feld Geburtsdatum, greift die Identitätsprüfung: Erwähnt der Anrufer nebenbei ein Datum zu einem alten Vorfall, wird es nicht als sein Geburtsdatum gespeichert. Nennst du dasselbe Feld Wunschtermin, entfällt diese Prüfung — was für einen Terminwunsch genau richtig ist.

Die Beschreibung schreiben

Die Beschreibung ist keine Dekoration. Sie wird bei jedem einzelnen Gesprächszug in die Anweisungen des Agenten eingefügt, und mehrere Felderkennungen lesen sie mit.

Sag, was der Wert IST — nicht, was der Agent tun soll

Der Agent weiß bereits, wie er fragt. Was er von dir braucht, ist, wie er die Antwort erkennt.

✅ Die Vertragsnummer des Kunden, 6–8 Ziffern, steht oben rechts
   auf der Rechnung.

❌ Frage den Anrufer höflich nach seiner Vertragsnummer und
   bestätige sie.

Halte andere Feldtypen aus dem Text heraus

✅ Rückrufnummer, falls wir zurückrufen müssen.

❌ Rückrufnummer. Falls der Anrufer kein Telefon angibt, frage
   nach dem Geburtsdatum zur Identifikation.

Die zweite Variante macht aus dem Telefonfeld zusätzlich ein Datumsfeld — und die Datumsnormalisierung fängt an, Werte umzuschreiben.

Nenne die Wörter der Anrufer, nicht nur deine

Der Agent erkennt anhand der Beschreibung auch seine eigene Frage wieder. Heißt das Feld Vertragsnr, Anrufer sagen aber „Versicherungsnummer", dann gehört das Wort hinein.

✅ Vertragsnummer. Anrufer nennen sie oft Versicherungsnummer
   oder Policennummer.

Formate direkt vorgeben

Genau hier verdient sich die Beschreibung ihr Geld. Bei Kfz-Kennzeichen, Aktenzeichen oder Kundennummern beschreibst du den Aufbau — und der Agent nimmt sauber strukturiert auf statt buchstabengetreu zu raten:

Das amtliche Kennzeichen des Fahrzeugs. Deutsche Kennzeichen
bestehen aus ein bis drei Buchstaben für die Zulassungsstelle,
ein bis zwei Erkennungsbuchstaben und ein bis vier Ziffern.
Nimm es exakt in dieser Struktur auf.

Die eigene Anrufernummer ausdrücklich anbieten

✅ Rückrufnummer. Wenn die anrufende Nummer nutzbar ist:
   {{fromNumber}}.

Der Platzhalter macht echte Arbeit: Bestätigt der Anrufer die angezeigte Nummer mit einem schlichten „Ja", setzt die Plattform die tatsächliche Rufnummer ein, statt den Text „Ja" zu speichern.

Schreib dort nicht {{toNumber}} — das ist die angerufene Nummer, nicht die des Anrufers.

Kurz halten

Die Beschreibung wird bei jedem Gesprächszug neu mitgeschickt. Lange Beschreibungen kosten in jedem einzelnen Zug Zeit und drängen den wirklich wichtigen Kontext nach hinten. Zwei Sätze reichen.

Pflichtfeld oder optional

Ist eine Variable als Pflichtfeld markiert, beendet der Agent das Gespräch nicht, bevor er den Wert hat. Er fragt — in Grenzen — erneut nach und lässt den Anrufer dann ziehen, falls dieser die Angabe verweigert.

Lass ein Feld optional, wenn der Agent die Angabe zwar erfassen soll, falls sie fällt, sie aber nie erzwingen darf. Rückrufnummern und Zusatzinfos sind typische optionale Felder, der Name des Anrufers ist ein typisches Pflichtfeld.

Nicht alles zur Pflicht machen

Pflichtfeld ist kein Hinweis, sondern eine Zusage: Der Agent kämpft um den Wert, bevor der Anruf enden darf. Bei fünf Pflichtfeldern fühlt sich das Gespräch wie ein Formular an. Zwei bis drei sind in der Praxis das Maximum.

Zulässige Werte

Öffne Zulässige Werte unter einer Variable, um die Antworten aufzulisten, die dieses Feld annehmen darf — Versicherungsart, Fachbereich, Anliegen-Kategorie. Der Agent darf dann einen dieser Werte speichern, auch wenn der Anrufer es anders formuliert.

Das ist wichtiger, als es klingt: ohne diese Liste darf der Agent nur Wörter speichern, die der Anrufer tatsächlich gesagt hat. Eine inhaltlich richtige, aber anders formulierte Antwort wird dann verworfen.

Ohne zulässige WerteMit zulässigen Werten
Anrufer sagt„Ich bin Kassenpatient"„Ich bin Kassenpatient"
Gespeichert wirdnichts — der Wert wird verworfenGesetzlich

Beschreibung und Liste gehören zusammen

Nenne die möglichen Werte weiterhin auch in der Beschreibung. Dort erfährt der Agent, welche es überhaupt gibt — die Liste unter Zulässige Werte macht sie zusätzlich speicherbar.

Die drei Regeln

1. Auf jedes kategorisierende Feld gehört eine Liste. Würde ein Mensch die Frage aus einem Dropdown beantworten, braucht sie zulässige Werte.

2. Auf kein Freitextfeld gehört eine Liste. Bei Anliegen als freier Zusammenfassung oder einer Schadensbeschreibung würde die Liste echte Anruferangaben aussperren.

3. Zwei Werte bedeuten Ja/Nein. Ein Paar wie Bestandskunde / Kein Bestandskunde oder schlicht Ja / Nein wird als Wahrheitswert behandelt und strenger geprüft — sonst hätte ein „Nein" den positiven Wert gespeichert, nur weil er auf der Liste stand. Willst du drei Ausgänge, nimm einen dritten Wert dazu, und sei es Unklar.

Ein z. B. macht die Liste zunichte

Schreib zulässige Werte nicht als Beispiele in die Beschreibung. Ein Text mit „z. B.", „zum Beispiel" oder „etc." wird als illustrativ gelesen — es entsteht keine Werteliste.

✅ Zulässige Werte: Gesetzlich · Privat · Selbstzahler
   Beschreibung: "Versicherungsart des Patienten."

❌ Beschreibung: "Versicherungsart, z. B. Gesetzlich oder Privat."

Für Freitextfelder wie Name, E-Mail oder Telefonnummer bleibt die Liste leer. Werte lassen sich per Pfeil sortieren und einzeln entfernen; doppelte Einträge und Einträge ohne Buchstaben oder Ziffern werden beim Speichern verworfen, die Oberfläche weist vorher darauf hin.

Beispielkonfiguration

VariablennameBeschreibungPflichtfeldZulässige Werte
Vollständiger NameVor- und Nachname der angerufenen Personja
E-MailE-Mail-Adresse für die Terminbestätigungnein
RückrufnummerAlternative Rückrufnummer. Wenn die anrufende Nummer nutzbar ist: {{fromNumber}}nein
AnliegenWorum es im Gespräch ging, in ein bis zwei Sätzennein
KategorieEinordnung des AnliegensjaVertrieb, Support, Buchhaltung, Sonstiges
DringlichkeitWie eilig die Sache istneinNiedrig, Mittel, Hoch

Warum ein Wert nicht gespeichert wird

ScaleTalk prüft jeden Wert, bevor er gespeichert wird. Grundregel: Das Transkript ist die Wahrheit. Was im Gespräch keine Spur hat, wird nicht gespeichert — egal wie überzeugt das Modell ist. Das verhindert die Klassiker: Telefonnummer = "unbekannt", die eigene Frage des Agenten als Antwort, oder ein Geburtsdatum, das der Anrufer zu einem ganz anderen Vorfall genannt hat.

SymptomWahrscheinliche UrsacheLösung
Ein kategorisierender Wert wird nie gespeichertKeine zulässigen Werte hinterlegtListe unter Zulässige Werte anlegen
Ein Ja/Nein-Feld speichert das GegenteilZwei Werte, die kein erkennbares Gegensatzpaar sindX / Kein X verwenden, oder einen dritten Wert ergänzen
Rückrufnummer speichert „Ja" statt einer NummerDer Name passt zu keinem Rückruf-Stichwort und die Beschreibung enthält kein {{fromNumber}}In Rückrufnummer umbenennen oder den Platzhalter ergänzen
Der Agent fragt etwas erneut, das schon gesagt wurdeDer Wert wurde bei der Prüfung abgelehntBeschreibung schärfen, Feldnamen prüfen
Zahlen kommen vertauscht anErkennungsfehler beim DiktierenKorrigiert sich meist automatisch zum Ende des Anrufs

Ein Wert kann sich nach der Erfassung noch korrigieren

Das Transkript wird während des Gesprächs laufend besser. ScaleTalk gleicht Zahlen und E-Mail-Adressen deshalb noch einmal an der Gesprächsgrenze und ein letztes Mal am Ende des Anrufs ab. Ein Wert, der zwischendurch falsch aussah, kann am Ende korrekt in der Datenbank stehen.

Wo die Werte landen

Die erfassten Variablen tauchen an vier Stellen wieder auf:

  • In der Anrufübersicht — als erfasste Variablen am Anruf und als Filter
  • Im E-Mail-Betreff und -Inhalt der Nachbereitung, z. B. {{Anliegen}}
  • Im Webhook-Payload, der an CRM, Ticketsystem oder n8n geht
  • In CSV-Exporten der Anrufe

Verwandte Seiten

Sprechtempo, Temperatur, Zeitlimits, Aussprache, Aufzeichnung und Hintergrundgeräusche findest du unter Abstimmung & Feintuning. Anruferdaten, die schon vor der Begrüßung bekannt sind, richtest du im Anruferkontext ein.

Inhaltsverzeichnis